ICHTHYOSAURUS BRECHt (2024)

Soundessay von Ruth Fühner und Oliver Augst

Frankfurt, 09.10.2024 – 16.10.2024
in einer privaten Küche, einem Atelier, einem Hinterhaus, einem Schaufenster, an der Bar des Frankfurt LAB und anderen Orten sozialer Begegnung

Texte von Bertolt Brecht und Ruth Fühner
Musik von Hanns Eisler, Kurt Weill, Wolf Biermann
Trio L’Impolie, Augst/Carl/Korn

Voraufführung 1 und Videoaufzeichnung:
09.10.2024, 20:00 Uhr, Hinterhaus (Sehstern Filmproduktion), Wolfsgangstraße 82

Voraufführung 2:
10.10.2024, 20:00 Uhr, Pfiff, Burgstraße 5

Uraufführung und weitere Vorstellungen:
11.10.2024 – 16.10.2024 im Rahmen von F°LAB Festival

Info, alle Termine und Orte: flabfestival.com

Koproduktion mit dem Künstler*innenhaus Mousonturm
Gefördert durch: Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Kulturamt der Stadt Frankfurt, Kulturfonds Frankfurt RheinMain
Projektträger: Spinnkultur e. V.
Produktionsleitung: Nicole Horny


Ja, Bertolt Brecht hat Lobeshymnen auf Stalin geschrieben und eine Ergebenheitsadresse an die DDR-Staatsführung nach dem Arbeiteraufstand vom 17. Juni 1953. Er hat begabte Frauen seiner Umgebung benutzt und fallengelassen, wenn es opportun erschien. Er hat sich privat empört und öffentlich geschwiegen, auch ohne Gefahr für Leib und Leben. Und zu jeder dieser Aussagen ließe sich ein Gegenbeispiel anführen. Dialektik eben. Man kann es, weniger höflich, auch Opportunismus nennen. Sich selber nannte Brecht „einen, auf den könnt ihr nicht bauen“. Ganz ähnlich der Ur-Fisch Ichthyosaurus in seiner Erzählung „Von der Sintflut“. Sie steht im Zentrum dieses Soundessays, der der Rolle des Wassers in Brechts Werk nachgeht.

Daß das weiche Wasser in Bewegung
Mit der Zeit den mächtigen Stein besiegt.

Die Hoffnung auf den so unwahrscheinlichen Triumph des Flüssigen über das Starre – sie begleitete Brecht sein Leben lang. Und mit ihr das Wasser als Inbegriff von Wandel und Fluidität. Immer wieder taucht es auf in seinem Werk – in Gestalt von Flüssen und hoher See, als Element des Untergangs und der Flucht, Leben verschlingend und Leben spendend.

In ihrem Essay ICHTHYOSAURUS BRECHT montiert Ruth Fühner unterschiedliche Texte – Gedichte, Lieder, kurze Prosa – zu einem fluiden Brecht-Portrait: Die Anfänge in Augsburg und die anarchische Lust am (Ab-) saufen. Das Engagement im Klassenkampf. Die Flucht über den Ozean und das Exil. Die Lobhudelei auf die UdSSR – und schließlich der desillusionierte Blick auf die See-Pfütze draußen vor dem Arbeitszimmer in Buckow, DDR.

Von hier aus könnte sich der Horizont weiten in Richtung Gegenwart – auf das Mittelmeer als Massengrab, auf Wasser als Ware und Streitobjekt, auf den Kampf gegen steigende Fluten …

So entsteht ganz nebenbei eine Hommage an die unendliche Wandlungsfähigkeit eines Elements, ohne das Leben auf der Erde unmöglich ist. Flüssig und in ständiger Veränderung begriffen ist auch die Musik, die Oliver Augst mit dem französischen Trio L’Impolie eigens für den Essay geschaffen hat. Improvisiert mit sich abnutzenden Dubplates, wandelt sich der Klang der Text- und Sound-Performance mit jeder einzelnen Aufführung.


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